Was ist eigentlich ein Glory Hole und worin besteht sein besonderer Reiz?
Ein Glory Hole ist eine Öffnung oder ein Loch in einer Wand, meistens in einer Toilettenkabine, einer Umkleidekabine, einem Pornokino, einem Swingerclub oder an einem ähnlichen Ort. Es ist üblicherweise so eingerichtet, dass die Person auf der einen Seite des Lochs die andere Person nicht sehen kann. Das macht den besonderen Reiz für viele schwule Männer aus. Die meisten Männer haben Oralsex durch ein Glory Hole. Mitunter haben Männer aber auch Analsex durch die Öffnung in der Wand. Auch in heterosexuellen Pornokinos und Swingerclubs finden sich Glory Holes.
Glory Holes bieten nicht nur Anonymität und somit auch Schutz davor, dass der andere einen erkennt. Für manche Männer stellt das Gefühl der Anonymität und des Unbekannten eine besonders aufregende Fantasie dar. Nicht zu wissen, wer auf der anderen Seite steht, regt die eigene Fantasie an: Das Bild des Gegenübers entsteht allein im Kopf.
Dazu kommt die Diskretion. Zu finden sind die Öffnungen vor allem in Sexshops, Swingerclubs oder Saunen. Für Männer, die ihre sexuellen Aktivitäten diskret halten möchten, besteht somit die Möglichkeit, die andere Person gar nicht kennenlernen zu müssen. So lässt sich die sexuelle Stimulation genießen, ohne sich emotional oder romantisch auf den anderen einlassen zu müssen.
Glory Hole: eine kurze Geschichte
Bevor Homosexualität legalisiert wurde, war schwuler Sex gesellschaftlich stark geächtet. Schwule und bisexuelle Männer hatten kaum Orte, an denen sie sich treffen konnten, ohne Verfolgung zu riskieren. Lange bevor es das Internet gab, war es schwierig, als schwuler Mann Gleichgesinnte kennenzulernen. Eine wichtige Rolle spielten damals die sogenannten Klappen. Dabei handelte es sich um öffentliche Toiletten oder bestimmte Orte wie Parkplätze oder wenig einsehbare Orte in Parks, die als Treffpunkte für schwule Männer dienten. In Deutschland wurde Sex zwischen Männern erst 1969 teilweise entkriminalisiert, der Paragraf 175 fiel endgültig 1994.
In einer Zeit, in der Homosexualität oft gesellschaftlich stigmatisiert und kriminalisiert wurde, boten diese Klappen schwulen Männern die Möglichkeit, sich diskret zu treffen und sexuelle Kontakte zu knüpfen. Oftmals wurden Signale oder Codes verwendet, um das Interesse an Sex zu signalisieren, wie zum Beispiel das Fuß-Tappen unter einer Trennwand oder bestimmte Gesten.
Gefahren und Schutz
Viele Männer verzichten beim Sex am Glory Hole auf ein Kondom. Damit steigt das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Infektionen anzustecken. Wenn du auf Glory Holes und anonymen Sex stehst, nutze deshalb Kondome. PrEP schützt zuverlässig vor HIV, nicht jedoch vor Syphilis, Tripper oder Chlamydien. Regelmäßige Tests beim Arzt oder in einer Checkpoint-Beratungsstelle gehören deshalb dazu.
Am Glory Hole wird vor allem geblasen. HIV wird dabei nur sehr selten übertragen. Syphilis, Tripper und Chlamydien dagegen deutlich häufiger, und die sitzen dann oft im Rachen, wo sie kaum Beschwerden machen. Sag deshalb beim Test dazu, dass du Oralsex hast, damit auch ein Rachenabstrich gemacht wird. Und putz dir direkt vorher nicht gründlich die Zähne: Kleine Verletzungen im Zahnfleisch machen es Erregern leichter.
Anonyme Fragen zu Safer Sex, PrEP und Tests beantwortet die Beratung der Deutschen Aidshilfe, telefonisch unter 0180 33 19411 (9 Cent pro Minute) oder per Mail und Chat.
Dieser Artikel informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- ICH WEISS WAS ICH TU, Kampagne der Deutschen Aidshilfe: HIV durch Oralsex: Risiko, Schutz & Safer Sex, abgerufen im September 2026.
- ICH WEISS WAS ICH TU: PrEP erklärt, abgerufen im September 2026.


