Trend Bar Wiesbaden
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Mainz und Wiesbaden liegen sich am Rhein gegenüber und sind mit der S-Bahn in zwölf bis fünfzehn Minuten verbunden. Queer betrachtet sind sie deshalb ein gemeinsamer Ausgehraum: Wer in einer der beiden Städte wohnt, nutzt selbstverständlich auch die andere. Und wem beides zu klein ist, sitzt in einer halben Stunde in Frankfurt.
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Die Mainzer Szene verteilt sich auf zwei Bereiche: die Altstadt und Innenstadt rund um Hintere Bleiche und Kleine Langgasse sowie den Zollhafen am Rhein mit Café- und Clublocations. Herzstück ist die Bar jeder Sicht in der Hinteren Bleiche – kein reines Lokal, sondern das Kultur- und Kommunikationszentrum für LSBT*IQ in Mainz, getragen vom Verein Sichtbar Mainz. Bar, Bistro, Beratung und Veranstaltungen unter einem Dach, überwiegend ehrenamtlich betrieben, dienstags bis sonntags geöffnet.
In Wiesbaden liegen die queeren Adressen verstreut in der Innenstadt, mit einem Schwerpunkt rund um Taunusstraße und Nerostraße. Der eigentliche Motor des queeren Nachtlebens sind hier aber die Partys: Die Reihe „Let’s go queer!“ im Kulturzentrum Schlachthof hat sich zu einer der größten queeren Veranstaltungen im gesamten Rhein-Main-Gebiet entwickelt.
Der Mainzer CSD heißt Sommerschwüle – und der Name hat Geschichte. Er stammt von einem politischen Sommerfest, das 1993 in einer alten Ziegelei in Mainz-Bretzenheim begann und der Vorläufer des heutigen CSD war. Aus Respekt vor dieser Geschichte wurde der Name beibehalten. Veranstalter ist der komplett ehrenamtlich arbeitende Verein Schwuguntia e. V., der sich ebenfalls 1993 gründete. Der Termin liegt im Juli, das Programm läuft über mehrere Tage: Demo ab dem Fischtor, Straßenfest, Dragshows, Workshops von Rechtsberatung bis Drag, queere Stadtführungen und ein Post-Pride-Clubbing.
Der Wiesbaden Pride liegt Ende Mai und läuft über drei Tage – Demo am Samstag, dazu Sommerfest und Party. Veranstalter ist Warmes Wiesbaden e. V. in Kooperation mit dem Kulturzentrum Schlachthof. Bemerkenswert ist die Vorgeschichte: Der CSD hatte über ein Jahrzehnt pausiert und wurde 2011 vom neu gegründeten Verein wiederbelebt.
In Mainz ist die Bar jeder Sicht zugleich Anlaufstelle und Treffpunkt. Daneben stehen Schwuguntia e. V., seit 1993 aktiv, das Frauenzentrum Mainz mit Lesbenberatung, die dgti mit Peer-Beratung für trans und inter Personen, Rainbow Refugees Mainz für queere Geflüchtete und das landesweite QueerNet Rheinland-Pfalz.
In Wiesbaden ist das Queere Zentrum Wiesbaden (QZWi) die zentrale Adresse – das „queere Wohnzimmer“ der Stadt. Wichtig zu wissen: Das Zentrum eröffnete im November 2022 in der Walkmühle, ist aber im Herbst 2025 an den Bornhofenweg 7a umgezogen; viele Verzeichnisse führen noch die alte Adresse. Es gibt ein offenes Wohnzimmer montags und freitags sowie alle zwei Wochen einen Jugendabend für 14- bis 19-Jährige. Größte Interessenvertretung ist Warmes Wiesbaden e. V. mit rund 150 Mitgliedern, Träger von SCHLAU Wiesbaden, der Coming-out-Beratung „Bunte Nummer“ und mehrerer Jugendgruppen. Dazu kommen die AIDS-Hilfe Wiesbaden, die Selbsthilfegruppe TransAlive, die Jugendgruppe „Birds of Pride“, das Angebot ILSE für Regenbogenfamilien und eine städtische LSBT*IQ-Koordinierungsstelle. Beim Polizeipräsidium Westhessen gibt es zwei eigene LSBTIQ+-Ansprechpersonen.
Mainz hat die deutlich ältere dokumentierte Geschichte. Bereits 1929 gründete sich hier eine Ortsgruppe des Bundes für Menschenrecht, der damals reichsweit größten Homosexuellenorganisation. Der bekannteste Mainzer Fall ist der von Maria Einsmann (1885–1959): Sie lebte ab 1919 zwölf Jahre lang als Mann, um Arbeit zu finden, und teilte ihr Leben mit ihrer Gefährtin Helene Müller. 1931 flog die Sache durch einen Arbeitsunfall auf, 1932 folgte eine Verurteilung wegen Urkundenfälschung. Um 2019/2020 benannte die Stadt einen Maria-Einsmann-Platz nach ihr.
In den 1970er-Jahren entstanden Emanzipationsgruppen, im Jahr 2000 hisste der Oberbürgermeister erstmals die Regenbogenflagge am Rathaus, 2004 eröffnete die Bar jeder Sicht. Am 21. Juli 2021 wurde am Ernst-Ludwig-Platz vor Amts- und Landgericht eine LSBTIQ-Gedenkstele enthüllt – der Ort wurde bewusst wegen der Rolle der Justiz bei den Verurteilungen nach § 175 gewählt. Nach Angaben der Stadt ist es die erste Stele Deutschlands, die alle queeren Opfergruppen gemeinsam würdigt: nach § 175 Verurteilte, in Konzentrationslager deportierte lesbische Frauen, verfolgte trans Personen und Betroffene der Verfolgung nach 1945. Sie wurde seither zweimal beschädigt und jedes Mal wiederhergestellt.
Für Wiesbaden ist die Quellenlage vor 2011 dünn. Dafür ist die Gegenwart bemerkenswert: 2011 die Vereinsgründung und Wiederbelebung des CSD, 2022 das Queere Zentrum, 2025 eine eigene Stadtanalyse „Queeres Leben in Wiesbaden“ und im Mai 2026 ein von der Stadtverordnetenversammlung beschlossener Aktionsplan für Sichtbarkeit und Schutz queerer Menschen – mit Diversity-Schulungen für Polizei und Rettungsdienste, einer Erhebung von Angsträumen im ÖPNV und dem Ausbau queerer Jugendangebote.
Wie weit sind Mainz und Wiesbaden voneinander entfernt?
Zwölf bis fünfzehn Bahnminuten, S8 und S9 fahren dicht getaktet. Praktisch eine Doppelstadt.
Was ist die „Sommerschwüle“?
Der Name des Mainzer CSD, übernommen von einem politischen Sommerfest, das 1993 in Mainz-Bretzenheim begann.
Wo ist der beste Anlaufpunkt für den ersten Abend?
In Mainz die Bar jeder Sicht in der Hinteren Bleiche – Bar, Bistro und Community-Zentrum in einem.
Wo finde ich Beratung?
In Mainz bei der Bar jeder Sicht und dem Frauenzentrum, in Wiesbaden im Queeren Zentrum am Bornhofenweg und über die „Bunte Nummer“ von Warmes Wiesbaden.
Alle Locations beider Städte einzeln – mit Kurzbeschreibung, Publikum und Adresse.
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