Du betrachtest gerade Rosa von Praunheim: Eine Ikone der Schwulenbewegung

Rosa von Praunheim war der wohl bekannteste Aktivist der deutschen Schwulenbewegung und gilt als einer der Wegbereiter der deutschen LGBT-Bewegung. Am 17. Dezember 2025 ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Der Beginn seines Aktivismus

Rosa von Praunheim wurde 1942 als Holger Radtke in Riga geboren, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Da seine Mutter früh starb, wurde er adoptiert. Schon in jungen Jahren entschied er sich dafür, Regisseur zu werden. Deutschlandweite Berühmtheit erlangte er 1971 mit seinem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“. Der Film sorgte im gesamten deutschsprachigen Raum für Furore und machte von Praunheim von einem Tag auf den anderen bekannt.

Es war der erste deutsche Film, in dem sich zwei Männer küssten. Der Bayerische Rundfunk weigerte sich deshalb sogar, ihn auszustrahlen. Doch von Praunheim scheute nie Konflikte. Der Kampf für die Rechte der queeren Community und insbesondere von schwulen Männern war sein größtes Ziel. Sein Vermächtnis für die queere Community war, dass er immer an der Spitze des Fortschritts für verschiedene marginalisierte Gruppen kämpfte. So setzte er sich schon seit den 1980er-Jahren mit seinen Filmen auch für Transpersonen ein.

Seine bekanntesten Filme

Neben „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“, veröffentlichte von Praunheim zahlreiche weitere bekannte Filme:

„Der Einstein des Sex“ (1999)

  • Eine Filmbiografie über Magnus Hirschfeld, den deutschen Arzt und Sexualforscher, der sich für die Rechte queerer Menschen einsetzte. Rosa von Praunheim beleuchtet Hirschfelds Leben und seinen Kampf für sexuelle Aufklärung und Gleichberechtigung. Der Film würdigt Hirschfelds bedeutende Arbeit und seinen Einfluss auf die LGBTQ+-Bewegung.

„Quilt“ (1989)

  • Ein experimentelles Werk, das verschiedene Episoden und Interviews miteinander verknüpft. Es behandelt Aids und die Frage, wie man als schwuler Mann seinen Platz in der Gesellschaft findet.

„Die Jungs vom Bahnhof Zoo“ (2011)

  • Ein einfühlsames Porträt von sechs jungen schwulen Männern in Berlin. Jeder von ihnen bringt seine eigene Lebensgeschichte und eigene Herausforderungen mit. Rosa von Praunheim gibt ihnen eine Plattform. Der Film zeigt die Vielfalt der schwulen Community in Berlin.

Der Kampf für HIV-Infizierte

Unvergessen bleibt auch sein Einsatz für Menschen mit HIV zu Beginn der Aidskrise. Von Praunheim interviewte Betroffene und veröffentlichte mehrere Filme. Er setzte sich früh für Safer Sex ein, überzeugt davon, dass sich die HIV-Epidemie nur so eingrenzen lässt.

Wen hat Rosa von Praunheim geoutet?

Rosa von Praunheim war der festen Überzeugung, dass es queere Vorbilder brauche, also gesellschaftlich anerkannte schwule und bisexuelle Männer, die deutlich machten, dass Homosexualität in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Da es daran mangelte, entschied er sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Am berühmtesten dürfte sein Zwangsouting von Hape Kerkeling und Alfred Biolek gewesen sein, das er 1991 live im Fernsehen machte.

Rosa von Praunheims Partner

Rosa von Praunheims Beziehungsleben war durchaus bunt. Von 1969 bis 1971 war er sogar mit einer Frau verheiratet, der Schauspielerin Carla Egerer.

Zuletzt war er viele Jahre lang mit dem Regisseur Oliver Sechting zusammen. Die beiden lebten in Berlin.

Fazit

Rosa von Praunheim war seiner Zeit immer voraus. Er setzte sich mit seinen Filmen für Gruppen ein, die in der Gesellschaft wenig Ansehen genossen und marginalisiert waren. Sein Engagement für die queere Community kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. 2015 bekam er dafür das Bundesverdienskreuz verliehen.

Martin Schirmer

Martin Schirmer ist Psychologe (M.Sc.) und Gründer von „Mann liebt Mann“. Seit über 5 Jahren beschäftigt er sich mit Dating und Beziehungen im queeren Kontext und coacht schwule und bisexuelle Männer bei der Partnersuche. Er ist Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), im Deutschsprachigen Dachverband für Positive Psychologie (DACH-PP) und im ColognePride e.V., dem Veranstalter des CSD Köln.

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