Du betrachtest gerade Analdusche

Du möchtest mit deinem Partner Sex haben und überlegst, wie du dafür sorgen kannst, dass beim Analsex unangenehme Überraschungen ausbleiben? Viele schwule Männer haben Angst davor, dass es beim Analsex schmutzig wird. Gerade wenn der aufnehmende Partner länger nicht auf der Toilette war, befürchten sie Rückstände im Enddarm. Hygiene ist vielen schwulen Paaren wichtig, und Gerüche können die Lust schnell verderben. Die Analdusche, auch Analspülung genannt, ist das passende Hilfsmittel, um solche Momente zu vermeiden. Sie dient der Reinigung des Enddarms und Anus. Viele schwule und bisexuelle Männer nutzen sie deshalb vor dem Analsex, um den Enddarm von Rückständen zu befreien.

Wie sieht eine Analdusche typischerweise aus?

Eine typische Analdusche besteht aus einem Behälter (oftmals eine Flasche oder ein Beutel) und einem dünnen Rohr oder einer Düse, die in den Anus eingeführt wird. Der Behälter wird mit lauwarmem Leitungswasser gefüllt, und durch sanften Druck wird das Wasser in den Enddarm gespült. Anschließend wird das Wasser wieder entleert, um den Darm zu reinigen. So gelangen Kotreste aus dem Darminneren nach draußen.

Muss ich immer eine Analdusche beim Analsex nutzen?

Manche schwulen Paare schwören auf die Analdusche. Gerade, wer noch nicht so erfahren ist, macht sich oft Gedanken, wie er für Hygiene beim Analsex sorgt. Auch beim Gay Dating und insbesondere, wenn du Gelegenheitssex hast, kann das Thema eine Rolle spielen. Wer allerdings vor jedem Analsex spült, muss den Sex planen, spontane Abenteuer fallen dann weg. Zwingend nötig ist die Spülung ohnehin nicht: Bei einer ballaststoffreichen Ernährung und einem regelmäßigen Toilettengang ist der Enddarm in der Regel ohnehin leer. Ein Kondom, feuchte Tücher und ein Handtuch reichen vielen Paaren völlig aus.

Welche Analdusche sollte ich nutzen?

Analduschen gibt es aus unterschiedlichen Materialien. Günstige Modelle bestehen aus hartem Plastik, das an der empfindlichen Schleimhaut reiben kann. Angenehmer sind Aufsätze aus medizinischem Silikon, weil sie nachgeben und sich leichter einführen lassen. Verbreitet sind drei Bauformen: die kleine Handpumpe mit Ballon, der Duschaufsatz, der direkt an die Armatur angeschlossen wird, und der Beutel mit Schlauch. Für den Hausgebrauch genügt fast immer die kleine Pumpe, weil sich die Wassermenge damit am besten dosieren lässt. Wichtig ist ein glatter Aufsatz ohne Kanten oder Nähte.

Vor- und Nachteile

Größter Vorteil einer Analdusche ist die erhöhte Hygiene. Viele Männer berichten davon, dass sie sich dem Sex mehr hingeben können, wenn sie wissen, dass sie keine unangenehme Überraschung erwartet. Gerade bei einem One-Night-Stand kann das beruhigen.

Banane mit Kondom und Feige als Symbolbild für Analsex

Andererseits beklagen viele Nutzer von Analduschen, dass diese den Po oft wund werden lassen. Vor allem günstige Plastikmodelle reiben unangenehm an der Haut. Im Extremfall kommt es zu kleinen Verletzungen und Blutungen im Enddarm, was das Risiko für Infektionen erhöht. Wer zu häufig spült, bringt zudem die natürliche Darmflora durcheinander.

Sinnvoll ist ein wiederverwendbares Modell, das sich nach jedem Gebrauch gründlich ausspülen und trocknen lässt. Geteilt werden sollte eine Analdusche nie.

Wie benutze ich eine Analdusche richtig?

Plane rund eine Stunde Zeit ein und spüle nicht unmittelbar vor dem Sex. Fülle den Behälter ausschließlich mit lauwarmem Leitungswasser, weder mit Seife noch mit Reinigungsmitteln, denn beides reizt die Schleimhaut. Prüfe die Temperatur am Handgelenk: Zu heißes Wasser kann verbrennen, zu kaltes löst Krämpfe aus. Feuchte den Aufsatz mit Gleitgel an und führe ihn langsam wenige Zentimeter ein. Drücke das Wasser sanft hinein, halte es kurz und entleere es auf der Toilette. Zwei bis drei Durchgänge genügen, bis das Wasser klar bleibt. Verwende dabei nur kleine Mengen, denn tiefe Spülungen belasten den Darm unnötig. Warte danach mindestens 20 Minuten, weil oft noch Restwasser nachläuft. Reinige die Dusche anschließend gründlich und lasse sie trocknen. Bei Schmerzen, Blutungen oder anhaltenden Beschwerden gehst du besser zum Arzt, statt weiter zu spülen. Und weniger ist mehr: Mehrmals täglich oder über Wochen hinweg solltest du nicht spülen.

Spülen und Safer Sex

Eine Analdusche schützt nicht vor HIV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen, eher im Gegenteil. Eine große Auswertung von Studien aus dem Jahr 2019 zeigt: Männer, die vor dem Sex spülen, haben deutlich häufiger HIV, Hepatitis, Tripper oder Chlamydien. Ob das Spülen selbst die Ursache ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Klar ist aber, dass eine gereizte oder verletzte Schleimhaut Erregern den Weg leichter macht.

Deshalb gilt: Wenn du spülst, dann sanft und nicht öfter als nötig. Und schütz dich trotzdem, mit Kondomen oder der PrEP. Wenn du wechselnde Partner hast, lass dich regelmäßig auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten testen, zum Beispiel in einem Checkpoint oder bei deiner örtlichen Aidshilfe.

Wann du zum Arzt gehen solltest

Ein bisschen gereizt nach dem Spülen ist normal und legt sich meist schnell. Wenn du aber Blut bemerkst, die Schmerzen länger als einen Tag anhalten oder du Fieber bekommst, lass das ärztlich abklären. Anlaufstelle ist deine Hausarztpraxis oder eine proktologische Praxis. Fragen zu Spülen, Safer Sex und Tests beantwortet die Beratung der Deutschen Aidshilfe anonym, telefonisch unter 0180 33 19411 (9 Cent pro Minute) oder per Mail und Chat.

Dieser Artikel informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

Martin Schirmer

Martin Schirmer ist Psychologe (M.Sc.) und Gründer von „Mann liebt Mann“. Seit über 5 Jahren beschäftigt er sich mit Dating und Beziehungen im queeren Kontext und coacht schwule und bisexuelle Männer bei der Partnersuche. Er ist Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), im Deutschsprachigen Dachverband für Positive Psychologie (DACH-PP) und im ColognePride e.V., dem Veranstalter des CSD Köln.

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