Du betrachtest gerade Guido Westerwelle: Sein schwuler Lebenslauf

Guido Westerwelle war ein deutscher Politiker und Mitglied der Freien Demokratischen Partei (FDP). Er war von 2009 bis 2013 Bundesaußenminister und bis 2011 Vizekanzler in der schwarz-gelben Regierung unter Angela Merkel. Von 2001 bis 2011 stand er zehn Jahre lang an der Spitze der FDP und prägte die deutsche Politik dieser Jahre maßgeblich. Er war der erste offen schwule deutsche Außenminister und bleibt bis heute das ranghöchste queere Regierungsmitglied in Deutschland. Am 18. März 2016 starb Westerwelle im Alter von 54 Jahren in Köln an den Folgen einer Leukämie.

Sein Coming-out

Sein Coming-out vollzog Guido Westerwelle 2004 ohne große Worte. Im Juli erschien er mit seinem Partner Michael Mronz an der Seite auf der Feier zum 50. Geburtstag von Angela Merkel und machte die Beziehung damit öffentlich. Er war der erste Spitzenpolitiker auf Bundesebene, der seine Homosexualität auf diese Weise selbstverständlich zeigte. 2010 gingen Westerwelle und Mronz eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein.

Homophobe Angriffe auf Westerwelle

Homophobe Ausfälle gegen Guido Westerwelle kamen häufiger vor. So wurde er in seiner Zeit als Außenminister von Weißrusslands homophobem Pöbel-Präsidenten Lukaschenko beleidigt. Dieser legte ihm nah, er solle doch ein „normales Leben“ führen und schlug vor, schwule Männer in Bauernhöfen gefangen zu halten. Westerwelles Reaktion: Er blieb ganz cool und sagte diese Äußerung sage mehr über den Urheber als ihn. Auch in Deutschland gab es hin und wieder homophobe Äußerungen über ihn. Ein CDU-Lokalpolitiker meinte gar, er sei keine gute Wahl, weil er schwul ist.

Seine Haltung zur Ehe für alle

Er befürwortete die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare. Westerwelle setzte sich in seiner Zeit in der FDP sowohl für die eingetragene Lebenspartnerschaft als auch später für die Einführung der Ehe für alle in Deutschland ein.

Westerwelle sprach sich öffentlich dafür aus, dass homosexuelle Paare die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Paare haben sollten. Er argumentierte, dass die Ehe eine Frage der Liebe und des Zusammenhalts sei und nicht von der sexuellen Orientierung abhängen sollte. Er betonte, dass die Ehe für alle ein wichtiger Schritt zur Gleichstellung und Anerkennung von LGBTQ+-Menschen sei. Unter seiner Führung unterstützte die FDP die Ehe für alle und setzte sich aktiv dafür ein. In der FDP wurde spätestens seit 2013 offen über die Öffnung der Ehe gesprochen. Eine Mehrheit im Bundestag fand sich damals nicht, doch der Druck wuchs in den folgenden Jahren. Am 30. Juni 2017 beschloss der Bundestag unter der schwarz-roten Regierung schließlich die Ehe für alle.

Sein Verdienst für die queere Community

Westerwelles Verdienst war es, die Gleichstellung von queeren Menschen auch in der FDP zu einem wichtigen Thema zu machen und dieses Anliegen so weiter in die gesellschaftliche Mitte zu tragen. Da er in großen Teilen der Bevölkerung Anerkennung genoss, insbesondere in bürgerlichen Kreisen, erreichte er mit seinen Forderungen nicht nur linke Kreise, sondern auch liberale Menschen und insbesondere die gehobene Mittelschicht.

Als erster offen schwuler Außenminister in Deutschland musste Westerwelle erleben, dass öffentlich diskutiert wurde, ob er seinen Mann mit auf Dienstreisen ins Ausland nehmen kann. Während dies bei heterosexuellen Ministerinnen und Ministern nie zur Debatte stand, gab es bei Westerwelle homophobe Reflexe von Teilen der Öffentlichkeit.

Sein Verdienst für queere Rechte weltweit

Insbesondere in seiner Amtszeit als Bundesaußenminister setzte sich Guido Westerwelle für die Rechte von queeren Menschen in vielen Teilen der Erde ein. Aufsehen erregte er unter anderem mit seinem Einsatz gegen russische Pläne, „Propaganda für Homosexualität“ strafbar zu machen.

Westerwelle reiste auch mehrfach in Staaten, in denen Homosexualität unter Strafe stand oder sogar mit dem Tode bestraft wird. Bei seinem Amtsantritt hatte er ins Spiel gebracht, queerfeindlichen Staaten die Entwicklungsgelder zu kürzen. Bei seinen Besuchen in homophoben Staaten wie Saudi-Arabien trat er jedoch betont freundlich auf. Er wusste: Zur Diplomatie gehört es, trotz grundlegender Meinungsverschiedenheiten Anstand und Höflichkeit zu wahren.

Guido Westerwelle hat bewiesen, dass Homosexualität kein Hindernis für eine erfolgreiche politische Laufbahn sein muss. Durch ihn und in seiner Amtszeit wurde Homosexualität ein Stück weit mehr zur gesellschaftlichen Normalität. Dafür gebührt ihm der Dank der queeren Community.

Martin Schirmer

Martin Schirmer ist Psychologe (M.Sc.) und Gründer von "Mann liebt Mann". Seit über 8 Jahren beschäftigt er sich mit Dating und Beziehungen im queeren Kontext und coacht schwule und bisexuelle Männer bei der Partnersuche.

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