Du fragst dich, wie du auf Grindr am schnellsten zu einem Treffen kommst? Du hast den Eindruck, die allermeisten Männer antworten nicht und du verschwendest deine Zeit mit sinnlosen Chats? So geht es vielen schwulen und bisexuellen Männern: einfallslose Nachrichten, Profile ohne Bild, die trotzdem Fotos von dir verlangen, oder Chats, die schnell sexuell werden, aber nie zu einem Treffen führen. An Chats mangelt es auf Grindr den meisten nicht, an deren Qualität schon.
Fakten über Grindr
Grindr ist die meistgenutzte Dating-App für Männer, die auf Männer stehen. Sie hat rund 30 Millionen Nutzer und ist in fast jedem Land der Welt verfügbar. Veröffentlicht wurde die App 2009.
Was sind die Vorteile von Grindr?
- Die App hat eine riesige Nutzerzahl.
- Wenn du schnell jemanden für ein Abenteuer kennenlernen willst, bist du hier richtig. Beziehungen findest du nicht so einfach.
- In der kostenlosen Variante werden dir die 100 Männer angezeigt, die am nächsten bei dir sind.
Was mögen Nutzer nicht?
- Die App zeigt viel Werbung. Nutzer beschweren sich, dass nach fast jedem Chat penetrante Anzeigen erscheinen. Das nervt und nimmt den Spaß am Schreiben.
- Viele Nutzer berichten, dass es selten zu Dates kommt: Etliche Männer wollen Sexchats, kneifen aber, wenn es um ein reales Treffen geht.
Was kann die kostenlose Variante?
- Du kannst andere Nutzer mit einer Flamme antapsen und so dein Interesse zeigen. Das ist subtiler als eine Nachricht, danach heißt es abwarten, ob der andere reagiert.
- Du kannst verschiedene Angaben machen. Unter anderem zu Alter, Größe, Gewicht, Ethnie, Körpertyp, Position, Beziehungsstatus, der geschlechtlichen Identität und der sexuellen Position (top, versatile, bottom). Zudem kannst du deine sozialen Medien wie Instagram und Twitter verlinken.
- Du kannst Alben mit anderen Nutzern teilen und Favoriten festlegen.
- Nutzer, die dich belästigen, kannst du sperren oder melden.
Wozu brauchst du die Premium-Variante?
- Du siehst, wer in der letzten Zeit dein Profil besucht hat.
- Du bekommst 600 weitere Profile angezeigt.
- Du hast mehr Filter und kannst gezielter nach dem Typ Mann suchen, der dir gefällt. So verschwendest du weniger Zeit.
- Es gibt keine Werbung, ein großer Vorteil, denn sonst ist die App damit überladen.
- Du kannst dich virtuell an andere Orte der Welt versetzen.
- Du bekommst Lesebestätigungen.
- Du kannst Textbausteine speichern, um nicht bei jeder Nachricht wieder bei null anzufangen.
- Du kannst mehr Favoriten abspeichern.
Kosten der Premium-Variante Grindr XTRA
Die Premium-Variante ist etwas günstiger als die von Planetromeo. Eine Woche kostet 8,99 Euro, ein Monat 13,99 Euro, drei Monate 29,97 Euro und ein Jahr 71,88 Euro. Die Preise können sich ändern.
Grindr Unlimited
Dazu kommt die Unlimited-Variante für 16,99 Euro pro Woche oder 27,99 Euro im Monat. Damit siehst du unbegrenzt viele Profile, erfährst, wer dein Profil besucht hat, kannst inkognito unterwegs sein und Nachrichten zurücknehmen.
- Du kannst Chats übersetzen lassen.
- Du siehst den Schreibstatus des anderen, ein Plus für neugierige Schreiber.
- Du kannst verfallende Nachrichten verschicken, wenn du anonymer bleiben willst.
Kündigung von Grindr
Das Abonnement beendest du, wie bei anderen Apps auch, im App Store oder Play Store. Zusätzlich kannst du dein Profil deaktivieren.
Du bist neugierig geworden und möchtest die App testen? Oder du bist schon länger dabei und wünschst dir mehr Erfolg? Wir haben getestet, warum so viele Männer auf Grindr keinen Erfolg haben. Dazu haben wir ein Experiment durchgeführt. Das Experiment zeigt dir, was du in Zukunft anders machen musst, wenn du mit Männern auf Grindr Erfolg haben möchtest.
Das Grindr Experiment
Teil 1: Wie schreiben die meisten Männer auf Grindr?
In Teil 1 unserer Feldstudie habe ich die Nachrichten in meinem Grindr-Profil analysiert, und zwar jeweils nur die erste Nachricht. Damit das Ganze aussagekräftig ist, habe ich mir die letzten 100 Chats angesehen, in denen Männer mir geschrieben haben, und die Nachrichten kategorisiert.
- Belanglose Grußnachrichten: Darunter fallen Nachrichten wie „Hey“, „Hey, wie geht’s?“, „Hallo“ oder „Was machst du?“ und Varianten davon.
- Grußnachrichten in Verbindung mit einem Bild der Person
- Komplimente
- Sexuelle Bilder, mit oder ohne Grußnachricht
- Sexeinladungen
Überraschend fand ich, wie viele Männer nur eine kurze Grußnachricht schicken. Das leuchtet ein, wenn man bedenkt, dass sich so mit wenig Aufwand prüfen lässt, ob der andere überhaupt Interesse an einem Gespräch hat.
Gerade Männer ohne Profilbild schickten häufiger ein Foto in der ersten Nachricht mit, was ich sinnvoll finde. Mittlerweile findet man auf vielen Profilen den Hinweis „No pic, no chat“, manche haben die Abkürzung „npnc“ sogar im Profilnamen. Umgekehrt gab es zwei Profile ohne eigene Bilder, die schon in der ersten Nachricht Fotos von mir verlangten. So geht es natürlich nicht, das wirkt reichlich anmaßend.
Sexuelle Nachrichten und Einladungen gab es ebenfalls relativ häufig. Das Interessante daran: Egal wen meiner Freunde ich gefragt habe, alle finden es abstoßend, mit der ersten Nachricht direkt zum Sex eingeladen zu werden oder ein Dickpic zu bekommen. Sex ist vor allem Kopfsache, es geht um mentale Stimulation. Wer sofort alles zeigt, bei dem gibt es nicht mehr viel zu entdecken. Doch wie machst du es besser?
Wichtiges Grundprinzip beim Texten
Gib erst etwas von dir, bevor du etwas zurückerwartest. Viele Chats auf Grindr versiegen genau an dem Punkt, an dem der eine den Eindruck hat, der andere verlange Aufwand, den er nicht betreiben will. Hier einige typische Beispiele:
- Viele Männer fragen gleich nach weiteren Bildern. Wer keine perfekten Fotos von sich hat oder weniger selbstbewusst ist, steigt an dieser Stelle oft aus dem Gespräch aus. Die Frage dient meist dazu, abzuklopfen, ob man dem anderen wirklich gefällt. Viele haben aber keine Lust, sich bewerten zu lassen, und antworten deshalb nicht.
- Du machst es dir deutlich leichter, wenn du selbst zuerst Bilder schickst, bevor du fragst. Sexuelle Fotos solltest du dabei erst einmal nur andeuten, etwa ein Bild deines nackten Oberkörpers, auf dem nur der Ansatz der Unterhose zu sehen ist, oder eines im Netzhemd, statt direkt das Dickpic.
Sexuelle Fotos
Das Bild eines nackten Hinterns oder ein ungefragtes Dickpic: Solche Nachrichten bekommst du auf Grindr häufig. Wenn du eine schnelle Nummer suchst, kann das durchaus ansprechend sein. Oft dient der schnelle Bilderaustausch aber nur dazu, selbst Material zu bekommen, und der andere ist gar nicht bereit, sich wirklich zu treffen.
Tapsen
Die Vorteile des Tapsens liegen auf der Hand: Anders als bei Tinder oder Bumble gibt es auf Grindr keine Vorauswahl. Das Tapsen ist deshalb eine gute Möglichkeit, gegenseitiges Interesse abzuklopfen, ohne sofort mit der Tür ins Haus zu fallen. Wird die Tapse erwidert, ist das der richtige Moment für ein Gespräch.
Die Grundfrage beim Chatten auf Grindr: Wie viel Zeit und Mühe investiere ich?
Auf Grindr entstehen oft sehr kurzlebige Kontakte. Das erklärt auch, warum viele Männer sich wenig Mühe mit ihren Nachrichten geben: Für sie hängt an dem einzelnen Chat wenig. Weil sie eine einmalige Begegnung suchen und die Auswahl groß ist, gilt das Prinzip Masse statt Klasse. Viele schicken exakt dieselbe Nachricht an zahlreiche Männer, um Zeit zu sparen.
Grundsätzlich gilt: Je länger und individueller eine Nachricht ist, je mehr Smileys sie enthält und je schneller jemand antwortet, desto größer ist sein Interesse. Wenn er dir außerdem oft Fragen stellt und sich über deine nicht ganz so lustigen Nachrichten köstlich amüsiert, kannst du sicher sein, dass er auf dich steht.
Teil 2 des Experiments: Der Grindr/Tinder Vergleich
Wie beschrieben unterscheiden sich Tinder und Grindr grundlegend in Aufbau und Chatfunktionen. Bei Tinder musst du erst „Ja“ zum anderen sagen, bevor ihr schreiben könnt, bei Grindr kannst du jeden Mann direkt anschreiben. Weil sich bei Tinder zudem keine Bilder verschicken lassen, wirkt die App harmloser und weniger auf schnelle Sextreffen ausgelegt. Dazu kommt, dass zwischen deinem Like und dem Rücklike Zeit vergehen kann. Gerade wenn du auf Reisen nur kurz in einer Stadt bist, verstreicht so wertvolle Zeit, das ist ein klarer Nachteil von Tinder.
Wir wollten deshalb wissen, wie wahrscheinlich ein schnelles Treffen auf Tinder und auf Grindr ist. Dafür haben wir auf beiden Apps je 50 Nachrichten mit identischem Text verschickt. Beide Profile hatten exakt dieselben Fotos und denselben Profiltext, damit die Bedingungen vergleichbar sind. Getestet haben wir jeweils zwei Varianten: einmal die direkte Anfrage, gemeinsam etwas trinken zu gehen, und einmal dieselbe Einladung mit dem zusätzlichen Hinweis, dass beim Date noch mehr gehen könnte.
Die beiden Nachrichten
„Hey, ich bin morgen für einen Tag in der Stadt. Ich will die Stadt sehen und hätte noch etwas Zeit, dich zu treffen. Hast du Lust, mit mir etwas trinken zu gehen? Liebe Grüße, Martin.“
„Hey, ich bin morgen für einen Tag in der Stadt. Du gefällst mir, und ich hätte noch etwas Zeit, dich zu treffen. Hast du Lust, mit mir etwas trinken zu gehen und zu schauen, was der Abend noch bringt? Liebe Grüße, Martin.“
Die Ergebnisse
Die Ergebnisse unseres Experiments veröffentlichen wir in Kürze an dieser Stelle.
