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Poppers: Immer beliebter!

Poppers sind die vielleicht beliebteste Lustdroge für schwulen Sex. Seit den 1970er-Jahren verbreiten sie sich immer mehr in der queeren Community. Du überlegst, diese selbst einmal zu nutzen, möchtest wissen, wo du diese bekommst und wie sie ihre beste Wirkung entfalten?

Poppers Wirkung

Poppers sind Flüssigkeiten, die flüchtige Alkyl-Nitrite enthalten, typischerweise Amylnitrit, Isobutylnitrit oder Isopropylnitrit. Sie werden in kleinen Fläschchen verkauft und werden üblicherweise inhaliert, um einen kurzfristigen Rausch zu erzeugen. Sie wirken vasodilatorisch, was bedeutet, dass sie die Blutgefäße erweitern und den Blutdruck vorübergehend senken. So kommt es zu einer erhöhten Durchblutung und einer Entspannung der Muskeln.

Kurzfristig verschaffen sie dir ein euphorisches Gefühl, steigern dein sexuelles Empfinden und senken vorübergehend deine Hemmschwelle. Viele schwule Männer nutzen sie deshalb unmittelbar zu Beginn des Sex. Für manche gehört das einfach zum Sex dazu.

Geschichte und Verwendung in der schwulen Community

Poppers werden schon lange in der schwulen Community verwendet. In den 1970er-Jahren begann ihre Verbreitung in Nordamerika. Ursprünglich wurden sie als Herzmedikamente entwickelt, aber ihre enthemmende und euphorisierende Wirkung machte sie schnell zu einem beliebten Begleiter in Bars, Clubs und beim Sex. Viele Männer nutzen sie, da sie entspannend wirken und ihr sexuelles Erleben steigern. So haben in den USA bereits 35 % der homosexuellen Männer Poppers verwendet. Bei Heteros sind es nur 3 %.

Schwule Männer küssen sich

Potenzielle Risiken

Allerdings bringen Poppers auch Risiken mit. Sie senken den Blutdruck schlagartig, das kann zu Kopfschmerzen, Schwindel oder einer kurzen Ohnmacht führen. Wer sie häufig oder in großen Mengen nutzt, riskiert außerdem Schäden an den Augen: Augenärzte beschreiben die sogenannte Poppers-Makulopathie, bei der die Mitte der Netzhaut geschädigt wird. Du siehst dann verschwommen oder hast einen Fleck im Blickfeld. Oft bessert sich das, wenn man aufhört, aber nicht immer. Richtig gefährlich wird es in Kombination mit bestimmten Medikamenten, dazu gleich mehr.

Wichtig: Poppers machen nicht körperlich abhängig. Du brauchst also keine Angst zu haben, vom einmaligen oder häufigeren Konsum in eine Sucht zu kommen. Manche Nutzer gewöhnen sich jedoch mit der Zeit an Poppers und haben Schwierigkeiten, ohne Poppers guten Sex zu haben.

Achte darauf bei der Nutzung

  • Kombiniere Poppers am besten nicht mit Alkohol oder anderen Drogen. Manche Männer berichten von Schwindel und Übelkeit.
  • Kombiniere sie niemals mit Potenzmitteln wie Viagra, Cialis oder Levitra (Wirkstoffe Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil). Zusammen kann der Blutdruck lebensgefährlich abfallen. Das gilt auch, wenn du die Pille schon Stunden vorher genommen hast, bei Tadalafil sogar noch ein bis zwei Tage später.
  • Rieche nur an den Poppers und schlucke sie nie. Verschluckt können sie lebensgefährlich werden, weil dein Blut dann kaum noch Sauerstoff transportiert. Wenn es doch passiert: sofort den Notruf 112 wählen.
  • Halte die Flüssigkeit von Haut und Augen fern, sie kann Verätzungen verursachen. Kommt etwas ins Auge, spül es gründlich mit Wasser aus.
  • Wenn du Herzprobleme, sehr niedrigen Blutdruck oder ein Glaukom (grüner Star) hast, lass Poppers lieber weg und sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
  • Bemerkst du nach dem Konsum Sehstörungen, geh zeitnah zum Augenarzt und sag offen, dass du Poppers nutzt. Das hilft bei der Diagnose, und niemand dort wird dich dafür verurteilen.
  • Die Flüssigkeit ist leicht entzündlich, sei also vorsichtig, wenn du parallel rauchst.

Rechtliche Situation in Deutschland

Poppers fallen in Deutschland nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Besitz und Konsum sind nicht strafbar. Beim Verkauf ist die Lage weniger eindeutig: Nitrithaltige Mittel gelten als Arzneimittel, und die dürfen eigentlich nur Apotheken abgeben. Deshalb werden Poppers meist als „Raumduft“ oder „Lederreiniger“ verkauft. Seriöse Shops verkaufen nur an Volljährige.

Poppers kaufen

Es gibt diverse Online-Shops, über die du Poppers beziehen kannst. Diese findest du schnell bei einer Suchanfrage im Internet. Schau dabei auf das Etikett: Vor allem Isopropylnitrit wird mit den beschriebenen Augenschäden in Verbindung gebracht.

Wenn du immer noch unsicher bist, ob du Poppers nehmen solltest, probiere sie in Ruhe aus und halte dich dabei an die Hinweise oben. So kannst du schnell feststellen, ob diese etwas für dich sind und dein Sexleben positiv bereichern.

Hilfe und Beratung

Im Notfall, etwa wenn jemand Poppers geschluckt hat, ohnmächtig wird oder schlecht Luft bekommt, wähl sofort die 112.

Fragen zu Poppers, Mischkonsum und Safer Use beantwortet die Beratung der Deutschen Aidshilfe anonym: telefonisch unter 0180 33 19411 (9 Cent pro Minute, Montag bis Freitag 9 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 14 Uhr) oder per Mail und Chat. Auch das Drogenportal drugcom.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit bietet eine anonyme Online-Beratung.

Dieser Artikel informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du regelmäßig Medikamente nimmst oder unsicher bist, ob Poppers für dich in Frage kommen, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Quellen

Martin Schirmer

Martin Schirmer ist Psychologe (M.Sc.) und Gründer von „Mann liebt Mann“. Seit über 5 Jahren beschäftigt er sich mit Dating und Beziehungen im queeren Kontext und coacht schwule und bisexuelle Männer bei der Partnersuche. Er ist Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), im Deutschsprachigen Dachverband für Positive Psychologie (DACH-PP) und im ColognePride e.V., dem Veranstalter des CSD Köln.

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