Du betrachtest gerade Sven Lehmann: Deutschlands erster Queerbeauftragter

Update: Sven Lehmann war von Januar 2022 bis zum Regierungswechsel 2025 der erste Queerbeauftragte der Bundesregierung. Das Amt hat inzwischen Sophie Koch (SPD) inne. Dieser Beitrag zeichnet Lehmanns Amtszeit nach.

Sven wer? Sven Lehmann dürfte den wenigsten Menschen vor dem Jahr 2021 ein Begriff gewesen sein. Mit seiner Ernennung zum ersten Queerbeauftragten der Bundesregierung wurde Lehmann einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch was hat es mit dem Amt auf sich und welche ehrgeizigen Ziele verfolgt Sven Lehmann als Queerbeauftragter?

Sein Aufstieg bei den Grünen

Um seine Ernennung zum Queerbeauftragten einordnen zu können, hilft ein Blick in Lehmanns Geschichte. Dieser ist seit seinem 20. Lebensjahr für die Grünen aktiv. Zuerst auf kommunaler Ebene in seiner Heimat Troisdorf, dann für viele Jahre auf nordrhein-westfälischer Ebene als Landesvorsitzender. Seit 2017 ist er in der Bundespolitik aktiv. 2021 wurde er gar als Direktkandidat mit weit über 30 Prozent direkt ins Parlament gewählt. Lehmann ist nahbar, engagiert und ein Politprofi. Queere Themen sind sein Schwerpunkt.

Sven Lehmann: Seine Beziehung zu Arndt Klocke

Seit über 20 Jahren ist er in einer Beziehung mit dem grünen Politiker Arndt Klocke. Dieser war länger Fraktionsvorsitzender der Grünen im NRW-Landtag. Die beiden nehmen kein Blatt vor den Mund, was ihre Beziehung angeht. Im Interview bekannten sie, dass sie seit Langem eine offene Beziehung führen. Klocke preschte 2017 voran, als es darum ging, ob die PrEP von den Krankenkassen übernommen werden sollte, und bekannte freimütig, selbst die HIV-Prophylaxe zu nehmen. So half er, schwulen Sex zu enttabuisieren. Sein Freund Lehmann berichtete zudem, dass viele Männer im Bundestag die App Grindr nutzen. Wer hätte das gedacht!

Queerbeauftragter der Bundesregierung

Die Ampelkoalition verstand sich selbst als Fortschrittskoalition. Dementsprechend ambitioniert war der Koalitionsvertrag, was queere Vorhaben anging. Direkt zu Beginn wurde Sven Lehmann zum Queerbeauftragten ernannt.

Blick auf die erleuchtete Kuppel des Berliner Reichstags

Im Aktionsplan „Queer leben“ findet sich eine Übersicht der wichtigsten queerpolitischen Vorhaben der Bundesregierung. Hier eine Übersicht:

  • Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes um die sexuelle Identität
  • Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes
  • Verabschiedung des Selbstbestimmungsgesetzes für inter, trans und nicht-binäre Menschen
  • Einsatz gegen Diskriminierung und Gewalt
  • Engagement für spezielle Subgruppen in der queeren Community (Ältere, Menschen mit Behinderung…)
  • Verhinderung von geschlechtsangleichenden Operationen bei kleinen Kindern

Als Queerbeauftragter achtete Lehmann darauf, dass diese Vorhaben auch wirklich umgesetzt werden. Gleichzeitig nahm er viele repräsentative Aufgaben wahr. So besuchte er zahlreiche CSDs und queere Empfänge. Als Queerbeauftragter nimmt er im politischen Bereich eine Vorbildfunktion ein und gehört neben anderen wichtigen queeren Persönlichkeiten im Sport wie z. B. Lucas Krzikalla oder Kultur und Gesellschaft zu den wichtigsten queeren Stimmen des Landes. Mit dem Ende der Ampelkoalition endete auch Lehmanns Amtszeit. Vieles aus dem Aktionsplan blieb unerledigt, allen voran die Ergänzung des Artikels 3. Genau daran muss sich seine Nachfolgerin messen lassen.

Martin Schirmer

Martin Schirmer ist Psychologe (M.Sc.) und Gründer von "Mann liebt Mann". Seit über 8 Jahren beschäftigt er sich mit Dating und Beziehungen im queeren Kontext und coacht schwule und bisexuelle Männer bei der Partnersuche.

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