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Ehe für alle: der Überblick

Du möchtest gerne wissen, wie die gesetzliche Lage zur Ehe für alle in Deutschland, seinen Nachbarländern und verschiedenen Ländern der Welt ist? Du willst erfahren, was die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind und wie wichtige gesellschaftliche Akteure wie die Kirchen zu der Ehe für alle stehen? In diesem Übersichtsartikel erfährst du alles rund um die Ehe für alle.

Die Ehe für alle ist etwas Revolutionäres. Unser Bild von der Ehe als eine Verbindung zwischen Mann und Frau, aus der Kinder entstehen können, ist sehr christlich geprägt. Dieses Bild entstand im ersten Jahrtausend nach Christus. Mit der Zeit wurde die Ehe institutionalisiert und immer mehr zum gesellschaftlichen Idealbild. Schwule Männer hatten in dieser Zeit keine Möglichkeit, anerkannt in Partnerschaften zu leben. Sie existierten in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht oder nur am Rande.

Der Vorläufer: Die eingetragene Lebenspartnerschaft

2001 wurde in den Niederlanden als erstem Land der Welt die Ehe für alle verabschiedet. Schwule Paare können dort auch Kinder adoptieren. Auch die niederländische protestantische Kirche traut schwule Paare. Diese Schritte stärkten Amsterdams Rolle als einer der schwul-lesbischen Hauptstädte Europas.

Auch in Deutschland entbrannte eine Debatte über mehr Rechte für Schwule und Lesben. Sie gipfelte 2001 in der Möglichkeit für Männer- und Frauenpaare, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Mehrere CDU-geführte Landesregierungen klagten dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, da das Gesetz ihrer Meinung nach gegen den Schutz von Familie und Ehe verstoßen würde. Karlsruhe wies die Klage 2002 ab. In den Folgejahren gingen über 100.000 Paare eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein.

Ehe für alle Deutschland: Vorteile gegenüber der Lebenspartnerschaft

In den 2010er-Jahren kamen immer wieder Rufe aus der Zivilgesellschaft nach einer Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auf und drangen auch in die politische Sphäre. Mehr und mehr Prominente und auch Politiker outeten sich und machten aus ihrer Homosexualität kein Geheimnis mehr. Zahlreiche andere Länder beschlossen die Ehe für alle einzuführen. Immer mehr Staaten Süd- und Nordamerikas und Europas folgten.

Hand mit Regenbogenfahne

Ehe für alle Abstimmung

Möglich wurde die Abstimmung, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni 2017 die Fraktionsdisziplin aufhob. Die Abgeordneten von CDU und CSU konnten frei nach ihrem Gewissen entscheiden. Am 30. Juni 2017 stimmte der Bundestag mit 393 zu 226 Stimmen für die Öffnung der Ehe, am 1. Oktober 2017 trat das Gesetz in Kraft. Merkel selbst stimmte dagegen.

Ehe für alle Schweiz

In der Schweiz gilt die Ehe für alle seit dem 1. Juli 2022. Das Stimmvolk hatte sich im September 2021 mit deutlicher Mehrheit von 64,1 Prozent dafür entschieden. Die Ehe ersetzt dort die eingetragene Partnerschaft.

Ehe für alle Österreich

In Österreich gibt es seit Januar 2019 die Möglichkeit der Ehe für alle. Die Ehe für alle in Österreich wurde durch eine Gesetzesänderung im Dezember 2017 eingeführt. Nachdem es keine parlamentarische Mehrheit für die Ehe für alle gab, entschied der Verfassungsgerichtshof, dass die bisherige Gesetzeslage schwule und lesbische Personen benachteilige. Ein lesbisches Paar hatte geklagt. Die Gesetzesänderung ist am 1. Januar 2019 in Kraft getreten.

Adoption durch schwule Paare

In den meisten Staaten, in denen die Ehe für alle legalisiert ist, können schwule Paare auch Kinder adoptieren. In Deutschland zum Beispiel gibt es seit 2017 die Möglichkeit für homosexuelle Paaren, Kinder zu adoptieren. Allerdings gibt es in vielen Ländern noch immer Einschränkungen oder sogar Verbote für die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare.

Ehe für alle: Weltweite Lage

Die Ehe für alle ist in den letzten beiden Jahrzehnten in vielen Ländern der Welt legalisiert worden. Dem steht aber weiterhin eine große Mehrheit an Staaten gegenüber, in denen Schwule und Lesben keinerlei rechtliche Möglichkeit haben, eine Partnerschaft einzugehen.

Inzwischen gibt es in 38 Staaten weltweit die Möglichkeit, eine gleichgeschlechtliche Ehe zu schließen, davon 22 in Europa. Schwerpunkte sind neben Europa Nord- und Südamerika.

So ist unter anderem in den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Spanien, Schweden, Portugal, den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Island, Norwegen, Südafrika, Uruguay und Argentinien die Ehe für alle rechtlich möglich. In diesen Ländern können gleichgeschlechtliche Paare die Ehe eingehen und genießen in der Regel dieselben Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Paare.

Auffällig an der Liste: In Europa öffnen vor allem west- und mitteleuropäische Länder die Ehe. Der Osten und Südosten holt aber auf. Slowenien führte sie im Dezember 2022 ein, Estland zum Januar 2024, Griechenland im Februar 2024 als erstes mehrheitlich orthodox geprägtes Land, Liechtenstein zum Januar 2025.

In Asien war Taiwan 2019 Vorreiter. 2023 folgte Nepal, im Januar 2025 öffnete Thailand als erstes Land Südostasiens die Ehe. Auch Australien, Neuseeland und Südafrika kennen die Ehe für alle seit Jahren.

Einige Staaten Europas bieten schwulen und lesbischen Paaren nur eine eingetragene Partnerschaft an, etwa Kroatien, Italien, Tschechien und Zypern.

Weltkarte zur Ehe für alle

Finsterer sieht der Blick auf die Karte aus, wenn man nach Asien und Afrika schaut.

In großen Ländern wie Indien, China, Russland, Nigeria, Uganda und den arabischen Ländern ist die Ehe für alle noch immer kein Thema. In diesen Ländern gibt es teils sogar bewusst queerfeindliche Gesetzgebung. Diese Staaten stimmen auch regelmäßig im UN-Menschenrechtsrat gegen Resolutionen, die sich für den Schutz von LGBT-Personen einsetzen.

Doch die rechtliche Möglichkeit zu heiraten, ist nur ein Parameter, der die Toleranz und Offenheit für nicht-heterosexuelle Menschen in einem Land zeigt. Mindestens genau so wichtig sind

  1. die Einstellungen der Bevölkerung gegenüber der LGBT-Gemeinschaft
  2. die Legalität von Homosexualität in dem Land
  3. Schutz von LGBT-Personen, beispielsweise im Arbeitsrecht und Diskriminierungsverbote

Insgesamt gibt es weltweit noch immer erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren und die Ehe für alle. Es gibt jedoch auch viele positive Entwicklungen und Fortschritte in vielen Ländern, die darauf hinweisen, dass sich die Einstellungen in Bezug auf gleichgeschlechtliche Beziehungen und die Ehe für alle allmählich verbessern.

Gerade in Ländern, die eine konservative Gesellschaftsordnung haben und außerehelichen Sex kriminalisieren, haben schwule und bisexuelle Männer keinerlei Möglichkeit, legal Sex mit einem Mann zu haben.

Wie akzeptiert ist die Ehe für alle?

Gute Nachrichten für schwule Paare: Die allgemeine Akzeptanz von Homosexualität ist in Westeuropa überwiegend groß und steigt stetig. Bei einer Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2019 waren 94 Prozent der befragten Personen in Schweden der Meinung, dass gleichgeschlechtliche Liebe von der Gesellschaft akzeptiert werden sollte. Im Osten Europas ist die Bevölkerung anderer Ansicht: Mit 69 Prozent hält die Mehrheit der befragten Personen in der Ukraine Homosexualität für inakzeptabel. In Russland fällt die Ablehnung noch deutlicher aus. In Europa lässt sich damit sowohl ein Nord-Süd- als auch ein Ost-West-Gefälle feststellen. In Deutschland gibt es aber eine klare Mehrheit, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften akzeptiert und toleriert.

Akzeptanz nach Alter und Geschlecht

Der Schwulen und Lesbenverband (LSVD) listet die Statistik wie folgt auf: Nach Alter heißt es, seien in 22 der 34 Staaten jüngere Menschen deutlich akzeptierender als ältere Menschen (deutlichste Kluft in Südkorea und Japan). Vor allem in Deutschland sei der Unterschied deutlich bemerkbar.

Der LSVD listet nach Geschlecht auf, dass in 12 Ländern ein deutlicher Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Akzeptanz vorzufinden war. Dabei sind Frauen grundsätzlich weit weniger homophob. Diese Länder waren: Südkorea (14%), Japan, Kanada, Polen, Argentinien, UK, Südafrika, Australien, Deutschland (7%), Spanien, Schweden und die Niederlande.

Haltung der Katholischen Kirche und anderer Religionsgemeinschaften

In den letzten Jahren haben sich die Kirchen und Religionsgemeinschaften glücklicherweise immer mehr gegenüber schwulen und lesbischen Paaren geöffnet.

Die evangelische Kirche gehört mit zu den fortschrittlichsten Religionsgemeinschaften in Deutschland. In fast allen Landeskirchen der EKD werden schwule Paare getraut, zumindest aber gesegnet.

Die Katholische Kirche Deutschlands hat in dem Bereich in den letzten Jahren Reformen angestoßen. Nach wie vor ist in der Katholischen Kirche in Rom allerdings Homophobie weit verbreitet. Homosexuelle Handlungen und Beziehungen werden abgelehnt. Das Zentralkomitee deutscher Katholiken fordert allerdings die Möglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare, sich segnen lassen zu können. Hier sind unter anderem viele katholische Gläubige versammelt. Die Basis der katholischen Kirche ist also wesentlich homofreundlicher eingestellt als die Geistlichen. Das zeigen auch Umfragen unter Katholik:innen zur Ehe für alle. Jeweils rund 81 Prozent der Katholik:innen und der Protestant:innen befürworten die Ehe für alle.

Unter Muslim:innen in Deutschland befürworten je nach Konfession zwischen 58 und 70 Prozent die Ehe für alle. Bei Zugezogenen liegt die Zustimmung mit 53 Prozent deutlich niedriger als bei hier geborenen Muslim:innen mit 70 Prozent. Hier liegt eine besondere Herausforderung für die Zukunft: Viele der Menschen, die in den vergangenen Jahren zugewandert sind, stammen aus Ländern, in denen Homosexualität religiös und gesellschaftlich stark geächtet ist.

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