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Homophobie in Deutschland

Zahlen zu Gewalt gegen queere Menschen werden in den meisten Bundesländern erst seit einigen Jahren erfasst. Manche Bundesländer erfassen diese gar nicht spezifisch. Hasskriminalität gegen queere Menschen kann sich entweder gegen eine Person mit einer bestimmten sexuellen Orientierung und/oder gegen die geschlechtliche Identität richten. Hierbei gibt es auch Formen von Mehrfachdiskriminierung. Homophobie ist also nur eine Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Auch Bi-, Trans- und Interfeindlichkeit sind in den letzten Jahren stärker in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt.

Homophobie: Definition

Der Begriff Homophobie steht seit Längerem in der Kritik. Phobie bedeutet Angst, Homophobie also die Angst vor homosexuellen Menschen. Das trifft den Kern jedoch nicht: Wer unter einer Phobie leidet, meidet den auslösenden Reiz. Homophobe Menschen suchen dagegen oft bewusst die Konfrontation und werden aggressiv. Deshalb spricht man besser von Homonegativität, also der Ablehnung homosexueller Menschen und ihrer Lebensweise.

Hateful Face

Zahlen, Daten, Fakten

In der Polizeilichen Kriminalstatistik wird seit einigen Jahren unterschieden zwischen Gewalttaten wegen des Geschlechts/der sexuellen Identität und der sexuellen Orientierung. Es wird jedoch nicht unterschieden, ob es sich um ein homophobes, biphobes oder lesbenfeindliches Hassverbrechen handelt. Selbstverständlich kann hierbei jede:r Opfer werden. Es reicht leider oft, dass eine Person als queer gelesen wird. Für das Jahr 2024 registrierte die Polizei 1.765 Straftaten wegen der sexuellen Orientierung und 1.152 wegen der geschlechtlichen Identität. Das ist ein Plus von knapp 18 beziehungsweise 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit ein neuer Höchststand. Seit 2021 haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer. Viele queere Menschen bringen queerfeindliche Straftaten nicht zur Anzeige. Dahinter können Scham oder fehlende Unterstützung durch das soziale Umfeld liegen. Viele Taten werden zwar erfasst, aber nicht als Hasskriminalität eingeordnet. Der größte Teil dieser Taten wird dem rechten Spektrum zugerechnet. Bedroht werden queere Menschen aber auch aus anderen Richtungen.

Homophobie unter bestimmten gesellschaftlichen Gruppen

Besonders in Schulen ist Homophobie weiterhin weit verbreitet. „Schwul“ als Schimpfwort und „Schwuchtel“ als Beleidigung gehören auf deutschen Pausenhöfen noch immer zum Alltag.

Homophobie nach Parteizugehörigkeit

Unter den Anhänger:innen der großen deutschen Parteien sind die Anhänger:innen der AfD mit Abstand am homophobsten eingestellt. 34 Prozent dieser Gruppe werten homosexuelle Menschen ab, bei allen anderen politischen Gruppierungen liegen die Werte weit darunter. Politisch rechts stehende Menschen werten homosexuelle Menschen weit häufiger ab als politisch links stehende Menschen.

Religionsgemeinschaften

Die Grundlage für Hasskriminalität ist immer, dass eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe abgewertet wird, beziehungsweise ihr weniger Rechte zugesprochen werden. Die Ablehnung von Homosexualität und queeren Menschen ist daher das Fundament, auf dem Menschen sich zu Gewalttaten entschließen. Besonders in strenggläubigen christlichen und muslimischen Familien stellt Homophobie noch ein Problem dar. So befürworten nur rund zwei Drittel der Muslim:innen in Deutschland die Ehe für alle, während es bei Protestant:innen und Katholik:innen 81 Prozent und bei Konfessionslosen sogar 92 Prozent sind. Bei den zugewanderten Muslim:innen ist die Zustimmung nochmal deutlich geringer als unter den schon länger hier lebenden Muslim:innen.

Homophobie: So wehrst du dich

Das Wichtigste zuerst: Wenn du mit homophoben Äußerungen, Ablehnung oder Gewalt konfrontiert wirst, hol dir Unterstützung. Dies kann jemand aus deinem Bekannten-, Freund:innen- oder Familienkreis sein. Homophobe Äußerungen haben immer das Ziel, dich klein zu machen und in eine Ecke zu drängen. Mit Verbündeten an deiner Seite lässt du dich nicht kleinmachen. Je nachdem, wo du diskriminiert wirst, gibt es weitere Wege. Passiert das Mobbing in der Schule oder an der Uni, wende dich an Lehrkräfte, das Gleichstellungsbüro oder im Zweifel an die Leitung. Benachteiligungen am Arbeitsplatz sind nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ohnehin verboten. Bei einer Straftat lohnt die Anzeige: Queerfeindliche Motive gelten seit 2021 ausdrücklich als strafverschärfend, viele Polizeibehörden haben eigene Ansprechpersonen für queere Menschen. Wenn dir dies passiert, kannst du dich bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes beraten lassen. Je nach Wohnort kannst du dich außerdem an eine queere Beratungsstelle wenden. In einigen Städten gibt es Unterstützungsangebote vor Ort. Hier findest du eine Übersicht dieser Angebote. Auch wenn du vor deinem Coming-out stehst, hilft es, jemanden an deiner Seite zu haben. Hier erfährst du alles rund um das Thema Coming-out.

Martin Schirmer

Martin Schirmer ist Psychologe (M.Sc.) und Gründer von "Mann liebt Mann". Seit über 8 Jahren beschäftigt er sich mit Dating und Beziehungen im queeren Kontext und coacht schwule und bisexuelle Männer bei der Partnersuche.

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