LGBTQ ist ein Kürzel aus dem Englischen, das die verschiedenen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten jenseits der heterosexuellen Norm zusammenfasst. Je nach Schreibweise kommen weitere Buchstaben dazu, etwa bei LGBTIAQ+. Was die einzelnen Buchstaben bedeuten, erklären wir dir hier.
Wofür stehen die Buchstaben?
- L steht für lesbisch: Frauen, die sich zu Frauen hingezogen fühlen.
- G steht für gay, also schwul: Männer, die Männer lieben.
- B steht für bisexuell: Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen.
- T steht für trans: Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht.
- I steht für intergeschlechtlich: Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale sich nicht eindeutig als männlich oder weiblich einordnen lassen.
- Q steht für queer: ein Sammelbegriff für alle, die nicht der heterosexuellen und cisgeschlechtlichen Norm entsprechen. Manchmal steht das Q auch für questioning, also für Menschen, die ihre Identität noch für sich klären.
- A steht für asexuell: Menschen, die wenig oder kein sexuelles Verlangen verspüren.
- + steht für alle weiteren Identitäten, die in den Buchstaben nicht auftauchen, etwa nicht-binäre oder pansexuelle Menschen.
Das Kürzel wurde über die Jahre immer weiter ergänzt. Das liegt daran, dass die Bewegung zunehmend inklusiver wurde und auch bislang marginalisierte Gruppen sichtbar machen wollte. Anfangs ging es vor allem um Menschen, die ihre sexuelle Orientierung nicht frei leben durften. Mit dem Q kamen später alle dazu, für die die Selbstbestimmung über die eigene Identität im Mittelpunkt steht.
Der Begriff selbst ist relativ jung und erst seit wenigen Jahren im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen. Früher dominierten negativ besetzte Wörter wie homosexuell, und in der öffentlichen Debatte ging es meist nur darum, schwulen Sex einzuschränken. Lesbische und andere queere Gruppen kamen darin kaum vor. Dass sich die Bewegung heute als Einheit versteht, die gemeinsam für ihre Rechte eintritt, ist eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte.
Die Reihenfolge der Buchstaben ist historisch gewachsen und keineswegs in Stein gemeißelt. Entscheidend ist die Idee dahinter: Menschen, die von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt wurden, treten gemeinsam für ihre Rechte ein.

Regenbogenflagge vor dem Münchener Rathaus in der Pride Woche
LGBT, LGBTQ oder LGBTIAQ: Welchen Begriff du nutzen solltest
Die Frage, wie das perfekte Kürzel aussieht, das alle Menschen der queeren Community inkludiert, wird nicht einheitlich beantwortet und immer wieder diskutiert. Als Sammelbegriff empfehlen wir daher schlicht das Wort queer. So schließt du niemanden versehentlich aus.
Die Bezeichnung LGBT kann mittlerweile als veraltet gesehen werden, wird jedoch gerade von älteren Menschen trotzdem noch häufig verwendet, da sie lange Zeit das meist verwendete Akronym für queere Menschen war. Ähnliches gilt für LGBTIQ, hier fehlen asexuelle Menschen. Vielleicht fragst du dich, warum in diesem Artikel dann oft von der LGBTQ-Bewegung die Rede ist, obwohl diese Abkürzung nicht alle Gruppen inkludiert? Das liegt schlicht daran, dass nach diesem Begriff deutlich häufiger im Netz gesucht wird, sodass wir uns entschieden haben, dieses Kürzel in diesem Artikel zu thematisieren, damit möglichst viele Menschen überhaupt auf diesen Artikel stoßen.
LGBTQ-Bewegung: Die wichtigsten Meilensteine in Deutschland
Die Geschichte der Homosexualität in Deutschland war lange von repressiven Maßnahmen des Staates geprägt. Schon vor Jahrhunderten wurden Männer, die Sex mit Männern hatten, unter dem Vorwurf der Sodomie verhaftet und hingerichtet. Mit dem Paragrafen 175 stellte das neu gegründete Deutsche Kaiserreich Sex zwischen Männern ab 1872 unter Strafe. Im Nationalsozialismus gipfelte die Entrechtung in der Deportation in Konzentrationslager, in denen tausende schwule Männer starben. Erst 1969 wurde der Paragraf unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger entschärft, ab 1973 galt er nur noch für sexuelle Handlungen mit unter 18-Jährigen. 1994 schaffte die schwarz-gelbe Regierung unter Kanzler Kohl den Paragrafen 175 endgültig ab und das Schutzalter für homo- und heterosexuellen Sex gleichgestellt. 2001 wurde schließlich die eingetragene Lebenspartnerschaft eingeführt. 2017 beschloss der Bundestag die Ehe für alle, gegen die Stimme von Kanzlerin Angela Merkel. Seit dem 1. November 2024 gilt zudem das Selbstbestimmungsgesetz, das das alte Transsexuellengesetz ablöst und den Wechsel von Vornamen und Geschlechtseintrag deutlich vereinfacht. Bis zur vollständigen Gleichberechtigung bleibt trotzdem viel zu tun.
Die Situation weltweit
Die rechtliche Lage von LGBTQ ist weltweit extrem unterschiedlich. Sie reicht von vollständiger Gleichberechtigung und der Möglichkeit staatlich anerkannte Partnerschaften einzugehen sowie dem Abbau jedweder sonstiger gesetzlicher Diskriminierungen bis zu Staaten, in denen das Praktizieren von Homosexualität mit dem Tod bedroht wird. Viele Verbote gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehrs sind erst in den letzten Jahrhunderten verabschiedet worden. Häufig gehen sie auf religiöse Motive oder koloniale Gesetzgebung zurück. Bis Ende des 19. Jahrhunderts kannte kaum eine Kultur der Welt einen eigenen Ausdruck für Homosexualität. Der Zusammenhang zwischen sexuellem Begehren und geschlechtlicher Identität ist ein Phänomen der Neuzeit. Früher wurde vor allem Analverkehr bei Männern gesetzlich verfolgt.
Ein Wendepunkt war der Stonewall-Aufstand von 1969. Bei diesen wurde der Grundstein dafür gelegt, dass Personen aus der LGBTQ-Bewegung selbstbewusst ihre Rechte einfordern und in der Öffentlichkeit auch eine Stimme bekommen. In den letzten Jahren legalisieren glücklicherweise immer mehr Staaten weltweit gleichgeschlechtlichen Sex. Besonders positiv um LGBTQ-Rechte steht es in Europa, Australien, Nord- und Südamerika. Hier können schwule und lesbische Paare häufig sogar heiraten. Aber auch in fast allen anderen Ländern der Welt gibt es einen positiven Trend zu mehr Akzeptanz sexueller Vielfalt.

LGBTQ in Deutschland – Zahlen und Fakten
Die gesellschaftliche Akzeptanz von Schwulen steigt in Deutschland seit Jahren Gut 7-11 % der Deutschen identifizieren sich laut einer Umfrage in Deutschland als LGBT Person. Auch die CSD-Paraden im Sommer erfreuen sich hunderttausender Besucher. Diese zeigen so ihre Unterstützung für die Rechte queerer Personen. Politisch wurden in den letzten Jahren einige wesentliche Veränderungen durchgesetzt. Neben der Ehe für alle 2017 sind vor allem das Ende der pauschalen Ausschlüsse schwuler Männer bei der Blutspende 2023 und das Selbstbestimmungsgesetz von 2024 zu nennen. Trotzdem gibt es seitens LGBTQ-Bürgerrechtsgruppen weitergehende Forderungen, die insbesondere auch einen besseren Schutz queerer Geflüchteter fordern und sich gegen die Diskriminierung von LGBTQ in Osteuropa wenden. Besonders im Pride month wird daher weiter für die Rechte der Community gestritten.
Die wichtigsten politischen Forderungen derzeit sind:
- Die Ergänzung des Artikel 3 des Grundgesetzes um die sexuelle Identität
- der Einsatz für den Schutz queerer Gruppen in anderen Staaten, in denen LGBTQIA+ Personen verfolgt werden
- eine Reform des Abstammungsrechts: Regenbogenfamilien müssen staatlich anerkannt und unterstützt werden
- Erstellung eines Nationalen Aktionsplans gegen Queerfeindlichkeit
Seit Mai 2025 ist Sophie Koch (SPD) Queerbeauftragte der Bundesregierung. Sie folgte auf Sven Lehmann, der das Amt seit 2022 innehatte. Ihre wichtigste Aufgabe bleibt, diese Forderungen gegen wachsenden Gegenwind durchzusetzen.



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