Du betrachtest gerade Justin Fashanu: Der erste offen schwule Fußballprofi

Justin Fashanu war der erste Fußballprofi im Vereinigten Königreich, der sich öffentlich als homosexuell outete. Der englische Stürmer wurde am 19. Februar 1961 in London geboren und war in den 1980er und frühen 1990er Jahren aktiv. 1981 wechselte er für eine Million Pfund von Norwich City zu Nottingham Forest und war damit der erste schwarze Fußballer Großbritanniens, für den eine solche Summe gezahlt wurde. Am 2. Mai 1998 nahm er sich im Alter von 37 Jahren in London das Leben.

Justin Fashanu: Sein Leben als schwuler Fußballprofi

Bei Nottingham Forest besuchte Fashanu regelmäßig Schwulenlokale der Stadt. Sein Trainer Brian Clough bekam davon Wind und stellte ihn 1981 vor der Mannschaft bloß. Clough verbot ihm das Training und fragte ihn höhnisch, warum er ständig in diesen Club gehe. Für Fashanu, der ohnehin wegen schwacher Leistungen in der Kritik stand, war das der Anfang vom Ende in Nottingham. Der Druck saß so tief, dass er sich einer christlichen Gemeinde anschloss und versuchte, seine Homosexualität wegbeten zu lassen.

Fashanus Verhältnis zu seiner eigenen sexuellen Orientierung war geprägt von wechselnder innerer Akzeptanz und Ablehnung. Sein größtenteils homophobes Umfeld machte es ihm sehr schwer, mit seiner Homosexualität ins Reine zu kommen. Am 22. Oktober 1990 folgte schließlich das öffentliche Coming-out in der britischen Boulevardzeitung „The Sun“, aufgemacht mit der Schlagzeile „£1m Soccer Star: I AM GAY“. Nicht nur Mitspieler, auch viele Fans quittierten das Bekenntnis mit homophoben Entgleisungen. Sein Bruder John Fashanu, ebenfalls Profifußballer, distanzierte sich öffentlich von ihm.

Die tragische Wende

1998 nahm sein Leben eine tragische Wendung. In Maryland in den USA beschuldigte ihn ein 17-Jähriger, mit dem er Sex gehabt hatte, der Vergewaltigung. Anfang April erging ein Haftbefehl. Fashanu setzte sich nach London ab und erhängte sich dort am 2. Mai 1998 in einer leerstehenden Garage im Stadtteil Shoreditch. In seinem Abschiedsbrief beteuerte er, der Sex sei einvernehmlich gewesen, und schrieb, als schwuler Mann rechne er ohnehin nicht mit einem fairen Verfahren.

Justin Fashanus Tod war ein großer Verlust für die queere Sportcommunity. Seine Geschichte erinnert daran, mit welchen Schwierigkeiten queere Personen in der Vergangenheit zu kämpfen hatten. 2020 wurde Fashanu posthum in die Hall of Fame des englischen National Football Museum aufgenommen. In den vergangenen Jahren haben sich zudem wieder einige prominente Fußballer geoutet. Neben dem tschechischen Nationalspieler Jakub Jankto und dem Blackpool-Spieler Jake Daniels ist dies der Australier Josh Cavallo. Die Reaktionen auf die Outings geben Hoffnung, dass queere Sportler:innen es heute leichter haben. Was im Männersport vielerorts noch ein Tabu ist, gehört im Frauensport längst zur Normalität. Bei der Fußball-WM der Frauen 2023 waren über 100 Spielerinnen offen lesbisch, bisexuell oder queer. Das ist mehr als jede achte Teilnehmerin.

Martin Schirmer

Martin Schirmer ist Psychologe (M.Sc.) und Gründer von "Mann liebt Mann". Seit über 8 Jahren beschäftigt er sich mit Dating und Beziehungen im queeren Kontext und coacht schwule und bisexuelle Männer bei der Partnersuche.

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