Du betrachtest gerade No Fap: Was der Verzicht auf Masturbation wirklich bringt

No Fap ist ein Trend, der seit einigen Jahren für Furore sorgt. Das Prinzip: Wer auf Masturbation und Pornokonsum verzichtet, soll fitter und energievoller sein und auch mehr Drive beim Dating haben. Manche Männer treiben den Verzicht auf die Spitze. Ist das sinnvoll? Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Vor- und Nachteile von No Fap und untersucht, über welchen Zeitraum No Fap sinnvoll sein kann.

No Fap: Die Hintergründe der Bewegung

Seit einigen Jahren konsumieren gerade Männer immer mehr Pornos. Morgens vor dem Aufstehen, mittags in der Pause auf der Arbeit oder abends zur Entspannung. Viele Männer masturbieren sehr regelmäßig, oft auch mit Pornos zur Stimulation. Durchschnittlich alle drei Tage masturbieren Männer. Manche Männer sind regelrecht abhängig von Pornos. Sie schauen mehrfach am Tag Pornos und können ohne Pornos nur noch schwer einen Orgasmus bekommen. Das Problem daran: Du stumpfst mit der Zeit ab. Irgendwann reichen normale sexuelle Reize nicht mehr aus, um dich zu erregen. Fachleute sprechen von einer erektilen Dysfunktion durch Pornokonsum, die vor allem bei jüngeren Männern beobachtet wird.

Für Aufsehen sorgte eine chinesische Studie aus dem Jahr 2003. Bei den Teilnehmern stieg der Testosteronspiegel am siebten Tag ohne Ejakulation auf rund 145 Prozent des Ausgangswerts, fiel danach jedoch wieder auf das normale Niveau zurück (Jiang et al., 2003). Die Studie umfasste nur 28 Männer und lässt sich deshalb kaum verallgemeinern. Inzwischen hat die Fachzeitschrift sie außerdem zurückgezogen. Ein dauerhaft höherer Testosteronspiegel durch Verzicht ist damit gerade nicht belegt.

Lohnt sich No Fap?

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Für Männer mit problematischem Pornokonsum kann eine Pause viel bewirken. Wer dagegen entspannt masturbiert und damit gut lebt, gewinnt durch den Verzicht wenig.

No Fap als Challenge

Für viele reizt vor allem die persönliche Herausforderung. Wer täglich masturbiert, für den ist schon eine Woche Pause ungewohnt. Verbreitet sind Challenges über sieben, 30 oder 90 Tage. Viele Männer berichten von mehr Energie, besserer Konzentration und mehr Lust auf echte Begegnungen. Wissenschaftlich belegt sind diese Effekte nicht, sie können auch schlicht daher rühren, dass man bewusster mit der eigenen Sexualität umgeht.

Das sagt die Wissenschaft

Testosteron hat einen großen Einfluss auf unseren Sexdrive. Wer als Mann an chronischem Testosteronmangel leidet, kann daher einen verminderten Wunsch nach Sex haben. Der Testosteronlevel steigt beim Masturbieren und beim Sex an. Nach dem Orgasmus sinkt der Testosteronspiegel wieder.

Klar ist auch: Masturbation ist gesund. Sie baut Stress ab, hilft beim Einschlafen und senkt nach mehreren Studien sogar das Risiko für Prostatakrebs (Rider et al., 2016). Wer sie als schmutzig oder als Schwäche betrachtet, baut unnötig Schuldgefühle auf. Genau das ist der Haken an manchen No-Fap-Communitys: Dort wird jeder Rückfall als Versagen gewertet, und ein Teil der Szene ist von konservativen oder queerfeindlichen Gruppen unterwandert.

Sinnvoll ist der Verzicht vor allem dann, wenn dein Pornokonsum dich stört: wenn er viel Zeit frisst, wenn du ohne Bildschirm keine Erregung mehr spürst oder wenn du Verabredungen absagst, um allein zu bleiben. Dann geht es nicht um Testosteron, sondern darum, ein Verhaltensmuster zu unterbrechen. Wenn du dabei merkst, dass du die Kontrolle verloren hast, sprich mit einer Suchtberatungsstelle oder einer Therapeutin. Immerhin hat die Debatte um No Fap ein Bewusstsein für das Thema Pornosucht geschaffen.

Quellen

Jiang, M., Jiang, X., Zou, Q., & Shen, J. (2003). A research on the relationship between ejaculation and serum testosterone level in men. Journal of Zhejiang University Science, 4(2), 236–240. https://doi.org/10.1631/jzus.2003.0236 (Retraction published 2021, Journal of Zhejiang University Science A, https://doi.org/10.1631/jzus.2003.r236)

Rider, J. R., Wilson, K. M., Sinnott, J. A., Kelly, R. S., Mucci, L. A., & Giovannucci, E. L. (2016). Ejaculation frequency and risk of prostate cancer: Updated results with an additional decade of follow-up. European Urology, 70(6), 974–982. https://doi.org/10.1016/j.eururo.2016.03.027

Martin Schirmer

Martin Schirmer ist Psychologe (M.Sc.) und Gründer von „Mann liebt Mann“. Seit über 5 Jahren beschäftigt er sich mit Dating und Beziehungen im queeren Kontext und coacht schwule und bisexuelle Männer bei der Partnersuche. Er ist Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), im Deutschsprachigen Dachverband für Positive Psychologie (DACH-PP) und im ColognePride e.V., dem Veranstalter des CSD Köln.

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